Geschichte der Reconnection- Dr.Eric Pearl

Wenn ich auf einer Wolke sitzend und den Planeten nach genau dem Menschen absuchen würde, dem ich eines der seltensten und begehrtesten Geschenke des Universums überreichen könnte, dann weiss ich nicht, ob ich durch den Äther hindurch gereicht hätte und mit meinem Finger durch die riesige Vielzahl von Menschen – den Schafhirten, den Ladenbesitzern, den gerechten und selbstgerechten – hindurch auf jemanden gedeutet und gesagt hätte: “Er! Das ist derjenige. Gib ihm dieses Geschenk.”

Nun, vielleicht hat es sich nicht unbedingt genau auf diese Weise zugetragen, doch so fühlt es sich für mich an. Ausser, wenn jemand eine völlig andere und plausible Erklärung dafür liefert. “Ach, nein”, könnte eine gutgesinnte Person ausrufen, skeptisch aufgrund meines fehlenden Verständnis über die Funktionsweise des Universums, “du hast dies bestimmt bereits in deinen vergangenen Leben gemacht.” Was mich allerdings wundert: wie kommt es, dass manche so sehr in meine vergangenen Leben eingeweiht sind, wenn ich immer noch versuche, mein jetziges zu verstehen?

Lass uns für einen Moment realistisch sein. Ich habe zwölf Jahre damit verbracht, eine der grössten – wenn nicht sogar die grösste – chiropraktischen Praxen in Los Angeles aufzubauen. Ich war im Besitz von drei Häusern, einem Mercedes, zwei Hunden und zwei Katzen. Es wäre alles perfekt gewesen, wenn ich nur mein Geld und meinen Alkoholkonsum nicht so sehr missbraucht hätte, dass meine sechsjährige Beziehung ein Ende fand. Wegen diesem Ereignis war ich drei Tage lang sozusagen unfähig, einen Fuss vor den anderen zu setzen. Prozac hat mir geholfen. Es half mir sehr.

Sechs Monate später habe ich zusammen mit meiner Assistentin Venice Beach, California besucht, wo ich veranlasst wurde, am Strand meine Karten legen zu lassen. “Ich will nicht, dass mir irgendeine Kartenlegerin am Strand meine Karten legt”, erwiderte ich bestimmt. Wenn eine Kartenleserin so wundervoll wäre, dann würden sie die Leute aufsuchen; sie würde keinen Kartentisch, ein Tischtuch und sonstige Ausrüstung an einen überfüllten Strandsteg schleppen, wo sie ahnungslosen Touristen die Zukunft voraussagen konnte und erwartete, für diesen Dienst bezahlt zu werden.

“Ich habe sie an einem Fest kennen gelernt und ihr gesagt, dass wir hier sein würden. Es würde mich sehr in Verlegenheit bringen, wenn du dir nicht die Karten legen lässt”, antwortete sie unverzüglich und fügte hinzu, dass diese Frau sowohl Lesungen für $10 wie auch $20 Dollars anbiete. Der Augenkontakt mit meiner Assistentin reichte aus, um einzusehen, dass es sinnlos war, sich weiter gegen sie zu widersetzen. “In Ordnung”, murmelte ich und griff mit dem Wissen, dass es die Hälfte des Betrags war, die uns für das Mittagessen zur Verfügung standen, nach einem Zehn-Dollar-Schein. Ich marschierte zu der Frau, setzte mich in ihren Klappstuhl und gab ihr zehn Dollar, wobei ich darüber nachdachte, wie hungrig ich jetzt schon war.

Im Austausch für mein Geld erhielt ich eine sehr nette, wenn gleich nicht weiter bemerkenswerte Deutung der Gegenwart und amüsierte mich, von dieser entzückenden jüdischen Zigeunerin “Bubelah” genannt zu werden. Beinahe als hätte sie es vergessen, sagte sie zu mir: “Es gibt da eine ganz spezielle Arbeit, die ich durch den Gebrauch axiatonaler Linien verrichte. Es verbindet die Meridianlinien des Körpers mit den Gitternetzlinien des Planeten, das uns mit den Sternen und den anderen Planeten verbindet.” Sie meinte, dass sie diese Arbeit machen könne und dass dies etwas sei, was ich als Heiler brauche. Sie sagte auch, dass ich es in einem Buch namens “Das Buch des Wissens: Sie Schlüssel des Enoch” nachlesen könne. Dies alles hörte sich ziemlich interessant an und so stelle ich die Frage: “Wie viel kostet es?” Sie sagte:” 333 Dollar.” Ich sagte: “Nein danke.”

Das ist genau die Sache, vor der in den Abendnachrichten gewarnt wird. Ich konnte schon den Ansagetext hören: “Jüdische Zigeunerin nimmt 333 Dollar von einem ahnungslosen Chiropraktiker.” Mein Foto mit dem darunter geschriebenen Wort “Trottel” flackert über den Bildschirm. “… überzeugt einen Arzt, ihr zusätzlich ein Leben lang 150 Dollar pro Monat zu bezahlen, um für seinen Schutz Kerzen anzuzünden…” Ich fühlte mich erniedrigt, dass ich dies überhaupt in Erwägung gezogen hatte. Meine Assistentin und ich verliessen den Strand, um auf eine einfallsreiche Weise ein 10-Dollar-Mittagessen für zwei zusammenzustellen.

Du glaubst vielleicht, dies wäre das Ende der Geschichte gewesen, doch der Verstand arbeitet auf geheimnisvolle Weise. Mir gingen die Worte dieser Frau nicht mehr aus meinem Kopf. Ich ertappte mich dabei, wie ich die letzten Minuten einer Mittagspause zum Bodhi Tree Buchladen ging und versuchte rasch das Kapitel 3.1.7. in: Das Buch des Wissens: Die Schlüssel des Enoch durchzulesen. Dies war das Kapitel, das den axiatonalen Linien gewidmet war. Die grösste Lektion dieses Tages war allerdings: wenn jemals ein Buch geschrieben worden ist, das man nicht einfach so überfliegen konnte, dann war es mit Sicherheit dieses. Doch ich hatte genug gelesen. Es verfolgte mich so lange, bis ich aufgab. Ich warf meine Bedenken über Bord und rief die Frau an.

Die Behandlung erfolgte an zwei Tagen, mit zwei Tagen Pause dazwischen. Am ersten Tag gab ich ihr mein Geld, lag auf einen Behandlungstisch und horchte meinen Gedanken: “Dies ist das Dümmste, was ich je getan habe. Ich kann es nicht glauben, dass ich einer völlig fremden Person 333 Dollar bezahlte, damit sie mit ihren Fingerspitzen Linien auf meinem Körper zeichnet.” Als ich dort lag und daran dachte, welchen guten Verwendungszweck dieses Geld gehabt haben könnte, überkam mich plötzlich eine Welle der Erkenntnis und ich hörte mich denken: “Nun, du hast ihr das Geld bereits gegeben. Du könntest jetzt auch mit dem negativen Gequatsche aufhören und dich für das öffnen, was immer du hier empfangen wirst.” Also lag ich da, ruhig, bereit und offen. Ich erfuhr nichts. Absolut nichts. Allerdings war ich scheinbar der einzige im Raum, dem dies bewusst war. Da ich für beide Sitzungen bezahlt hatte, kam ich am Sonntag für den zweiten Teil zurück. Wie auch immer, während jener Nacht ereigneten sich die eigenartigsten Dinge. Etwa eine Stunde, nach dem ich schlafen gegangen war, ging die Lampe neben meinem Bett – die sich schon seit zehn Jahren besass – von selbst an und ich erwachte mit einem klaren Gefühl, dass andere Personen in meinem Hause anwesend waren. Bewaffnet mit einem scharfen Messer und einer Dose Pfefferspray, durchsuchte ich gemeinsam mit meinem Dobermann das Haus. Doch ich fand niemanden. Ich legte mich mit dem äusserst unheimlichen Gefühl, dass ich nicht allein war und dass ich beobachtet wurde, wieder ins Bett.

Meine zweite Sitzung begann fast gleich wie die erste. Es zeigte sich allerdings bald, dass es alles andere als das sein würde. Meine Beine wollten nicht ruhig liegen bleiben. In meinen Beinen war dieses komische Gefühl, das sich bei manchen alle Jubeljahre mitten in der Nacht bemerkbar macht. Bald breitete sich dieses Gefühl über meinen ganzen Körper aus, begleitet von nahezu unerträglicher Kälte. Ich hatte keine andere Wahl als ruhig auf der Massagebank liegen zu bleiben. So gerne ich auf und ab gesprungen wäre und diese Empfindungen aus jeder Zelle meines Körpers herausgeschüttelt hätte, ich wagte nicht, mich zu bewegen. Warum? Weil ich der Frau 333 Dollar bezahlt hatte und ich jeden einzelnen Cent herausholen wollte – darum. Bald war die Sitzung zu Ende. Es war ein erdrückend heisser Tag im August und wir hielten uns in einem Apartment ohne Klimaanlage auf. Dennoch war mir so kalt, als wäre ich erfroren; meine Zähne klapperten, während diese Frau sich beeilte, mich in eine Decke einzuhüllen, unter der ich etwa fünf Minuten lang liegen blieb, bis sich meine Körpertemperatur wieder normalisiert hatte.

Jetzt war ich verändert. Ich verstehe nicht, was geschehen war und ich könnte auch unmöglich versuchen, es zu erklären, doch war ich nicht länger dieselbe Person wie vor vier Tagen. Ich schleppte mich in mein Auto, das scheinbar von alleine den Weg nach Hause fand.

Ich erinnere mich nicht mehr an den Rest dieses Tages. Ich kann dir auch nicht mit Sicherheit sagen, ob der Rest dieses Tages überhaupt stattgefunden hatte. Alles, was ich weiss, ist, dass ich am nächsten Morgen wieder an meinem Arbeitsplatz war. Meine Odyssee hatte begonnen.

Es war zu meiner Gewohnheit geworden, meine Patienten nach ihrer Behandlung noch 30 bis 60 Sekunden lang mit geschlossenen Augen auf der Liege zu lassen. Dies gab ihnen Zeit, sich zu entspannen, während die Behandlung nachwirken konnte. An jenem sonderbaren Montag fragten mich sieben meiner Patienten – von denen manche schon seit beinahe zwölf Jahren zu mir kamen und einer, der mich zum ersten Mal aufsuchte -, ob ich rund um die Liege gegangen wäre, während sie dalagen. Einige fragten, ob noch jemand anderer in den Raum gekommen wäre, weil sie gefühlt hatten, dass mehrer Personen um die Massagebank herumstanden oder -gingen. Drei Patienten sagten, sie hatten das Gefühl, dass Menschen rund um die Liege gelaufen waren und zwei meiner Patienten vertrauten mir voller Verlegenheit an, dass es ihnen so schien, als würden Menschen um die Liege herum fliegen.

Ich war nun schon seit 12 Jahren als Chiropraktiker tätig und niemand hatte jemals etwas in der Art geäussert. Nun hatten es sieben Patienten am selben Tag gesagt. Irgendetwas war hier los! Nebst den Aussagen meiner Patienten, sah ich mich mit unerwarteten Fragen meiner Angestellten konfrontiert: “Du siehst so anders aus! Deine Stimme tönt so anders! Was ist am Wochenende mit dir geschehen?” Ich würde ihre Fragen ganz sicher nicht beantworten. “Oh, nichts”, antwortete ich und wunderte mich selbst, was sich während dem Wochenende genau ereignet hatte.

Meine Patienten berichteten mir, dass sie spürend konnten, wo sich meine Hände befanden, bevor ich sie berührte. Sie konnten meine Hände spüren, obwohl sie mehrere cm entfernt von ihren Körpern waren. Es wurde zu einem Spiel, bei dem ich herausfand, wie genau sie die Position meiner Hände bestimmen konnten. Doch bald wurde es mehr als ein Spiel, als Leute anfingen Heilungen zu erfahren. Anfänglich schienen die Heilungen weniger dramatisch: Schmerzen, Kummer und dergleichen. Wenn die Patienten wegen der Chiropraktik kamen, richtete ich sie und sagte ihnen, sie sollten ihre Augen schließen und liegen bleiben, bis ich ihnen sagen würde, sie sollen ihre Augen wieder öffnen. Während sie ihre Augen geschlossen hatten, bewegte ich für einen kurzen Augenblick meine Hände über meinen Patienten. Als sie aufstanden und die Schmerzen verschwunden waren, fragten sie mich, was ich gemacht hätte. “Nichts. Und sagen Sie es niemanden”, wurde zu meiner Standartantwort. Diese Anweisung war in etwa so effizient wie Nancy Reagans “Sag-einfach-nein”-Einstellung zu Drogen.

Bald suchten mich Personen von überall her wegen diesen Heilungen auf, doch ich hatte keine Ahnung, was sich hier abspielte. Natürlich schaute ich regelmässig bei der Frau vorbei, die mich via der axiatonalen Linien rückverbunden hatte. “Es muss wohl von etwas kommen, das bereits in dir war. Vielleicht steht es im Zusammenhang mit der Nahtoderfahrung deiner Mutter zum Zeitpunkt deiner Geburt”, sagte sie mir und fügte hinzu: “ich kenne niemanden, der jemals so reagierte. Es ist faszinierend.” Faszinierend. Scheinbar hiess faszinierend, dass ich auf mich gestellt war.

Anfangs Oktober stellte ich fest, dass es anfing, sich zu manifestieren, als ich meine Hände über das schmerzende Knie einer Frau hielt, die seit ihrer Geburt an einer degenerativen Knochenkrankheit litt. Nachdem ich meine Hände entfernte, fühlte sich ihr Knie besser an. Meine Händflächen waren mit winzig kleinen Blasen bedeckt, die nur für rund drei bis vier Stunden vorhanden waren. Dies ereignete sich mehr als nur einmal. Jedesmal, wenn sich Blasen bildeten, kamen die Leute von anderen Büros im Gebäude her gerannt, um sie zu sehen. (Ich hätte Eintrittsgeld erheben sollen.) Dann passierte es. Meine Handflächen bluteten. Dies ist kein Scherz. Es strömte kein Blut, wie in alten Filmen oder im National Enquirer, sondern vielmehr so, als hätte ich meine Handfläche mit einer Nadel gestochen. Dennoch war es Blut. “Es handelt sich um eine Einweihung!”, klärten mich einige auf. “Eine Einweihung in was?”, fragte ich. Und sowieso, woher sollten sie es wissen? Warum wusste ich es nicht? Wer weiss es denn wirklich?

Eine Frage tat sich auf.

Im November fand ich mich im Büro eines weltbekannten Mediums wieder. Ausser Atem, verirrt und (wie üblich) 30 Minuten zu spät, stürmte ich herein, warf mich aus seinen Sessel und tat so, als würde ich seinen stechenden Blick nicht wahrnehmen. Du weisst schon, dieser Blick, den jemand beherrscht, der krankhaft ordnungsbedürfig und immer pünktlich ist; der Blick, bei dem man sich plötzlich an jede Standpauke erinnert, die einem je über das Pünktlichsein gehalten wurde und der einen gleichzeitig an seinem Wert als menschliches Wesen zweifeln lässt. Ich war mir sicher, dass er in seiner Freiheit den Kongress für die Wiedereinführung des Wortes Unpünktlichkeit im öffentlichen Schulsystem drängte. Ich war mir sicher, dass diese Sitzung für mich gelaufen war.

Er lag seine Karten auf eine sehr nüchterne Weise aus und vermied es, auch nur eine Spur von Wärme und Mitgefühl zu zeigen. Er schaute sich die Karten an, schaute mir mit einem leicht fragenden Gesichtsausdruck oder Vorwurf direkt in die Augen und fragte: “Was machen Sie beruflich?” Ich weiss nicht, wie du das so siehst, doch bei einem Stundenansatz von $100 dachte ich mir: “Sie sind das Medium. Sagen Sie es mir.” Ich verzichtete darauf, meine Gedanken auszusprechen. “Ich bin Chiropraktiker”, sagte ich in sachlicher Manier und achtete darauf, dass ich nicht zuviel preisgab, was meine Sitzung hätte beeinflussen können. (Ich habe ihm nicht einmal meinen Nachnamen mitgeteilt, als ich die Sitzung vereinbarte.) “Oh nein. Es ist viel mehr als das”, sagte er. “Etwas fliesst durch Ihre Hände und Menschen erhalten dadurch Heilungen. Sie werden ins Fernsehen kommen”, fuhr er fort “und Menschen werden aus dem ganzen Lande anreisen, um Sie aufzusuchen.” Dies war das Letzte, was ich von diesem Mann zu hören erwartet hatte. Dann erzählte er mir, dass ich Bücher schreiben werde. “Ich möchte Ihnen etwas sagen”, erwiderte ich mit einem bestimmten Lächeln. “Wenn es etwas gibt, worüber ich mir ganz sicher bin, dann ist es, dass ich keine Bücher schreiben werde.”

Bücher haben mich nie interessiert. Zu jenem Zeitpunkt hatte ich vielleicht gerade einmal zwei Bücher gelesen, wovon ich eines immer noch am ausmalen war. Doch es standen Veränderungen an in meinem Leben. Ich wurde von Mediums, Heilern und Channelern aufgesucht. Sie kamen vom ganzen Lande her, um mir mitzuteilen, dass ihnen während ihren Meditationen gesagt wurde, dass sie an mir arbeiten sollten – und sie wiesen jegliche geldliche Entschädigung zurück. Meine Liebesaffäre mit Alkohol wurde zu einer zwangslosen Freundschaft: ab und an eineinhalb Gläser Wein zum Abendessen. Niemand war mehr überrascht als ich selber.

Das Unglaublichste war erst im Gange, sich zu entfalten: Meine Fernsehsucht kam zu einem abrupten Ende. Sie wurde stattdessen, ich wage es kaum zu sagen, mit dem Lesen von Büchern ersetzt. Östliche Philosophie, das Leben nach dem Tod, gechannelte Informationen und sogar UFO Erlebnisse. Ich sah, hörte und las jedes, überall.

Als ich mich nachts schlafen legte, vibrierten meine Beine. Meine Hände fühlten sich so an, als wären sie ständig “eingeschalten”. Die Knochen meines Schädels haben ebenso vibriert und meine Ohren summten. Später hörte ich Töne und in seltenen Fällen Klänge, die wie Chorstimmen klangen.

Nun war es so weit. Ich habe meinen Verstand verloren. Jetzt war ich mir dessen sicher. Es ist allen bekannt, dass man anfängt Stimmen zu hören, wenn man seinen Verstand verliert. Meine haben sogar gesungen. Ich hätte nicht einfach nur ein leises Summen, eine kaum hörbare Sängerin oder eine kleine Gruppe von Sängern hören können. Nein, ich hörte einen ganzen Chor.

Und meine Patienten? Sie haben Farben gesehen: schöne, herrliche Blau-, Grün-, Violett-, Gold- und Weisstöne. Und obwohl sie diese Farben erkennen konnten, haben sie mir gesagt, dass sie so etwas noch nie zuvor gesehen hätten. Ihre Schönheit überschreitet unser Vorstellungsvermögen. Patienten, die in der Fernseh- und Filmbranche tätig sind erzählen mir, dass diese Farben auf Erden nicht existieren und mehr noch, dass sie selbt mithilfe all ihrer Möglichkeiten und Technologien nicht im Stande wären, sie wiederzugeben.

Und ja, Patienten haben Engel gesehen. Erlebnisse mit Engeln kommen häufig vor, so dass ich dem Ganzen anfänglich nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenkte, bis die Leute anfingen, die gleichen Erlebnisse zu schildern: die gleichen Engel, die gleichen Nachrichten, die gleichen Namen. Dabei handelte es sich nicht um bekannte Engelsnamen wie Michael oder Ariel und ebenso wenig war es Moses oder Buddha, obwohl viele Personen berichteten, dass sie Jesus sahen. Es waren Namen wie Parsillia und George. George erschien Kindern und anderen Personen, die sich nervten beim Gedanken Engel zu sehen. Es ist so, dass George anfänglich als kleiner, farbenprächtiger Papagei erscheint und dann, so wie es mir regelmäßig erklärt wurde, ist er plötzlich kein Papagei mehr, sondern wird schlicht zu deinem Freund. George erschien Menschen auch später während stresserfüllten Zeiten.

Die erste Person, der George erschien, war ein elfjähriges Mädchen namens Jamie. Sie und ihre Mutter flogen von New Jersey her, weil sie an einer Skoliose litt, die den Körper dieses äußerst schlauen und sonst attraktiven Mädchens sichtbar verformte. Als Jamie aus ihrer Sitzung heraus kam, sagte sie zu ihrer Mutter und mir: “Ich habe nur diesen kleinen, farbenprächtigen Papagei gesehen. Und er sagte mir, dass er George sei. Und dann war er auf einmal kein Papagei mehr. Er war nicht einmal mehr eine Lebensform.” Lebensform: nun das ist ein Wort für eine Elfjährige. “Dann wurde er schlicht zu meinem Freund.”

Während der nächsten zwei bis drei Monate berichteten mir andere Patienten von mehreren George Erscheinungen, obwohl keiner von ihnen über George Bescheid wusste. Denn wie mit all den Engeln halte ich die Namen und Beschreibungen geheim, um die Erfahrungen anderer Menschen nicht zu beeinflussen. (Selbst in diesem Bericht habe ich die Namen von George und Parsillia abgeändert, um die wahrlich Unschuldigen zu beschützen).

Jamies Wirbelsäule war nach ihrer dritten Sitzung beinahe, aber nicht vollständig, begradigt, worauf sie nach New Jersey zurückkehrte. Ich habe mit ihr seither mehrmals gesprochen. Es scheint ihr gut zu gehen. Und ab und an hört sie immer noch von George.

Im Gegensatz dazu erscheint Parsillia nur mit spezifischen Nachrichten. Erstens lässt sie einem oft wissen, dass man geheilt sein wird. Und im Anschluss erzählt sie einem, dass man nach erfolgter Heilung ins Fernsehen gehen solle, um das Wort zu verbreiten. Ich glaube, man könnte sie als unseren Öffentlichkeits- Engel bezeichnet.

Die erste Person, die Parsillia gesehen hatte, war eine Frau namens Michele aus Oregon. Michele hatte mich während einem NBC Interview über einen meiner früheren Talkshow Auftritten gesehen. Zu jener Zeit wog sie gerade einmal 87 Pfund (40 kg). Sie litt an einem chronischen Ermüdungssyndrom und hatte zudem eine Fibromyalgie (Weichteilrheuma). Sie hatte keinen Appetit und allein das Schlucken bereitete ihr Schmerzen. Sie war nicht im Stande, sich ohne Hilfe von einem Stuhl zu erheben und ins Badezimmer zu gehen. Um ihre Schmerzen etwas erträglicher zu machen, musste sie nachts bis zu vier Mal von ihrem Bett ins Badezimmer getragen und unter die heisse Dusche gestellt werden. Wenn sie mit ihren Kindern eine Stunde im Auto fuhr, um ihre Mutter zu besuchen, musste sie im Anschluss drei Tage lang im Bett ruhen, um die Rückfahrt zu schaffen. Sie war natürlich nicht fähig, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Und ihre sechsjährige Tochter musste das Abendessen für ihren dreijährigen Bruder zubereiten: Erdnussbutter-Sandwiches.

Michele hatte, ähnlich wie die meisten meiner Patienten, noch nie einen Engel gesehen oder Stimmen gehört. Es dauerte drei Tage, bis sie den Namen des Engels verstehen konnte. Parsillia sagte ihr, dass sie geheilt sein wird und das Wort darüber via Fernsehen verbreiten solle. Ungefähr ein Jahr später war sie zusammen mit mir Gast einer anderen Talkshow. Sie war überglücklich – aber sie vergoss auch Tränen. Ihr Körpergewicht hatte sich normalisiert, ihr Aussehen ist gesund, sie hat eine Vollzeitanstellung und treibt regelmässig Sport. Und ach ja, sie bereitet jeden Abend das Abendessen für ihre Familie zu. Keine Erdnussbutter-Sandwiches mehr.

Einen weiteren Besucher, den Patienten sehen, ist ein Mann mit weißem Haar, einem weißen Schnauz und einem weißen Mantel. Ein andermal erscheint er in einem Überhang und verdecktem Kopf.

Debbie, eine südkalifornische Mutter von drei Kindern, war die erste, die diesen Engel (dessen Namen wir nicht kennen) gesehen hatte. Im März 1995 wurde sie mit terminalem Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, an dem auch der Schauspieler Michael Landon gestorben ist. Ihr wurde gesagt, dass sie wahrscheinlich nur noch zwei Monate lang leben werde. Ihre Erfahrungen beinhalteten das Verlassen ihres Körpers, das Reisen durch einen Tunnel, das Sehen von türkisfarbenen und blauen Lichtschimmern und schlussendlich das umhüllt sein von weißem Licht. Debbie erlebte den weißhaarigen Mann in beiden Erscheinungsformen. Tränen überkamen sie. Als nächstes fand sie sich in einem Tunnel wieder, in dem sie durch die Galaxie reiste. Dabei spürte sie, wie “Dinge” ihren Körper durch ihre Füße und ihren Kopf verließen.

Nach Debbies zweiter oder dritter Sitzung war ihr anfänglich inoperabler Tumor 80 Prozent verschwunden. Ungefähr acht Monate später stuften sie die Ärzte als Kandidatin ein um die restlichen 20 Prozent operativ zu entfernen. Kurz vor ihrem Op-Datum kam sie für eine weitere Sitzung vorbei. Eineinhalb Tage später ging sie mit der Erwartung operiert zu werden ins Krankenhaus. Nach einigen Tests wurde sie stattdessen allerdings nach Hause geschickt. Angeblich war ihr Tumor innerhalb der eineinhalb Tage seit unserer Sitzung vollständig verschwunden. Nichts außer Narbengewebe blieb zurück.

Als interessante Anmerkung sei gesagt, dass Debbie im November zu einer weiteren Sitzung zurückkam. Während ihrer Sitzung spürte sie Wassertropfen, die auf ihre rechte Gesichtsseite tropften. Im Anschluss erschien erneut der Mann mit dem weißen Haar und Schnauz, dieses Mal mit seinem langen, weißen Mantel, der hinter ihm vom Winde getragen wurde. Dann wurde er einfach weggeblasen.

Meine Patienten sehen auch oft eine Gruppe von Ärzten, die weiße Kittel tragen und zusammengekommen sind, um die Heilung zu leiten. Sie können in einem Kreis sprechend gesehen werden, doch sie können dennoch nicht gehört werden. Eine weitere regelmäßige Erscheinung ist die eines jungen Indianermädchens, die ein Lederband mit scheinenden, quadratischen Verzierungen auf die Stirn legt. Sehr oft erscheint auch ein Indianer, der ebenfalls im Raum steht. (Wir sind uns noch nicht im Klaren darüber, ob er ein Häuptling oder Schamane ist). Ein weiterer Besucher ist ein sehr großgewachsener, hübscher Engel, der normalerweise als acht, neun oder zehn Fuß (2,4 bis 3m) groß und riesigen, dicht befederten, weißen Flügeln in überlappenden Reihen beschrieben wird. Es wird mir berichtet, dass er hinter mir steht mit seinen Armen um meine Hüften, während er über meine rechte Schulter schaut und lautlos meine Hände führt. Viele dieser Engel scheinen ihre eigenen, spezifischen Düfte zu haben: Blumen, Weihrauch und Kräuter – insbesondere Rosmarie.

Dann kam Jered. Jered war vier Jahre alt, als ihn seine Mutter das erste Mal zu mir brachte. Er kam mit Stützen um seine Knie, die ihn nicht mehr aufrecht hielten. Seine Augen schauten gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen und konnten nichts fixieren. Er sprach kein Wort mehr und in der Leere war einzig der endlose Fluss seines Speichels. Jereds Licht war reduziert auf eine Ausdruckslosigkeit, die nicht annähernd einen Anschein des wunderbaren Wesens, das einst in ihm lebte, zum Vorschein brachte.

Jered hatte die Myelinschicht seines Gehirns verloren, an der sich Nervimpulse entlang bewegen. Er erlitt täglich ungefähr 50 Grand Mal Anfälle (eine Form eines epileptischen Anfalles). Durch Medikamente wurden die Anfälle auf ungefähr 16 pro Tag reduziert. Als er bewegungslos und beinahe ausdruckslos auf der Massagebank lag, erklärte mir seine Mutter, dass sie während des vergangenen Jahres hilflos der raschen Verschlechterung seines Zustandes zusehen musste. Zum Zeitpunkt ihres ersten Besuches fand sie sich nicht mit dem Kind wieder, das sie einst kannte, sondern mit etwas, das sie einzig als “Amöbe” umschreiben konnte.

Während Jereds erster Sitzung konnte er die Anwesenheit meiner Hand, jedes Mal, wenn ich sie seiner linken Kopfseite annährte, spüren und griff danach. “Schau, er weiß wo Ihre Hand ist. Er greift danach. Das hat er noch nie gemacht”, hob seine Mutter hoffnungsvoller Überraschung hervor. “Das ist die Stelle, wo die Myelinschicht fehlt”, fügte sie hinzu. Jered wurde so aktiv, dass sich seine Mutter gegen Ende jener Sitzung zu ihm auf die Liege setzen musste, während sie mit einer sanften Stimme, so wie es nur eine Mutter kann, Kinderlieder sang. Ihr Lieblingslied war “Twinkle, Twinkle Little Star” (d.Ü. “Leuchte, leuchte kleiner Stern). Am Tag von Jereds erster Sitzung hörten diese gewaltigen, körperlichen Anfälle auf. Vollständig.

Während Jereds zweiter Sitzung griff er nach Türklinken und fing an, sie herunterzuziehen. Sein Sehvermögen verbesserte sich und er konnte jetzt Objekte fokussieren. Auf seinem Weg aus unserer Praxis zeigte er auf einen Blumenstrauß im Empfangsbereich uns sagte mit einem Lächeln:”Blumen”. Es gab kein trockenes Auge im Zimmer.

An diesem Abend wurde beobachtet, wie Jered die Buchstaben des Alphabets gemeinsam mit Vanna White aufsagte, als er Glücksrad schaute. Und bevor er schlafen ging, schaute dieser einst sprachlose Knirps zu seiner Mutter hoch und sagte: “Mami, sing für mich.” Fünf Wochen später kehrte Jered in die Schule zurück. Auf dem Spielplatz. Bälle fangend.

Hat Jered einen Engel gesehen? Er hat es nie geäußert, doch ich weiß, dass er einen gesehen hatte. Dieser fuhr ihn eine Stunde lang hin und wieder zurück von der Sitzung, sass bei ihm auf der Liege, hielt sanft seine Hände und sang liebevoll “Twinkle, Twinkle Little Star”, so, wie es nur ein Engel kann.

Es ergab sich, dass ich mich nach Innen wenden musste, um die meisten meiner Antworten zu finden. Meine zwei Hauptbedenken waren es, dass ich erstens die Reaktion einer Person nicht voraussagen und deshalb keine Versprechungen machen konnte und zweitens, dass ich nicht voraussehbare Energiehochs und –tiefs erlebte, die zwischen drei Tagen und drei Wochen anhielten.

Ich war schon immer eine handlungsorientierte Person, die alles erreichen konnte, was ich mir in meinen Kopf setzte. Während andere eine “Abwarten-und-Sehen-Haltung” einnahmen, bevorzugte ich es zu dominieren und den Ausgang einer Situation zu kontrollieren. Hindernisse, die für andere unüberwindbar schienen, waren für mich nicht vorhanden, so dass ich stets vorwärts ging und Dinge erledigte. Der ärgerlichste Ausdruck der Welt für jemanden wie mich war: “Wenn es so bestimmt ist, dann wird es so sein.” Meant to be, schmeant to be (d.Ü. ein Wortspiel im Sinne von: Bestimmt sein, das ist lächerlich). Wenn ich möchte, dass etwas passiert, dann werde ich die nötigen Schritte wagen, dass es passiert und stellt euch ja nicht in meinen Weg, ihr, die an das Schicksal glaubt. Stelle dir mein Entsetzen vor, als ich bemerkte, dass ich zurücktreten und aufhören musste zu dirigieren und einer höheren Macht die Führung überlassen musste, um diese Heilungen wirklich zu beschleunigen! “Wer sagt das?”, dachte ich. Ich kann es bestimmt nicht sein.

Doch so war es. Die Energie wusste nicht nur ohne meine geringsten Anweisungen, wohin sie fließen und was sie machen musste, sondern die Reaktion wurde umso stärker, je mehr ich mich aus dem Geschehen herausnahm. Einige der großartigsten Heilungen passierten, als ich über meine Einkaufsliste nachdachte. Eine Kühnheit!

Empfange, sende nicht.

“Wer sagte dies?”, fragte ich während ich das Innere meines Kopfes absuchte, als ob ich dort tatsächlich etwas sehen könnte. Es handelt sich um die falsche Person für solche Anweisungen. Mein Ego erholte sich immer noch von “geh aus dem Weg und lass eine Höhere Macht führen.” Wie werde ich diese Heilungen an die Leute bringen, wenn ich sie nicht schicke?

Empfange, sende nicht.

“Ich habe dich beim ersten Mal gehört. Beantworte jetzt meine Frage.”, antwortete ich in meinem Kopf.

Stille.

(Stille kann mich manchmal wirklich irritieren).

Ich ging in den Raum hinein, um meine nächste Patientin zu empfangen. In der Hoffnung, dass ich ihr kein Unrecht tat und dankbar dafür, dass sie meine Zweifel und Unsicherheit, die mir durch den Kopf gingen nicht lesen konnte, fing ich mit meinen geöffneten Handflächen an ihren Füssen an. Ich empfing von der Patientin durch meine Hände. Ich habe vom Himmel durch den Scheitel meines Kopfes empfangen. Es war wunderbar, es war demütigend, es war verwirrend. Ich fühlte mich komisch. Und dann sah ich, wie die Patientin anfing darauf zu reagieren. Und es fühlte sich richtig an.

Zu jenem Zeitpunkt nahm ich das Konzept, das ich umworben, aber nie richtig verstanden hatte, wahrhaftig an: Ich bin nicht der Heiler, nur Gott ist der Heiler und aus irgendeinem Grund, ob ich ein Katalysator oder ein Gefährt, ein Verstärker oder Intensiverer bin, wähle dein eigenes Wort, bin ich in diesen Raum geladen.

Die Sitzung war fertig. Die Patientin hatte die gleichen, spektakulären Farben gesehen und die gleichen herrlichen Töne gehört wie die anderen Patienten. Sie hatte ebenfalls zwei der Engel gesehen, die, wie mir häufig beschrieben wurde, während des Heilprozesses anwesend seien. Ihr Problem, eine Mischung aus einem chronischen Ermüdungssyndrom, Fibromyalgie und Kolitis (chronische Dickdarmentzündung), war nach dieser Sitzung verschwunden. Obwohl es nicht gerade lebensgefährlich war, hatte es ihr Leben während den vergangenen acht Jahren regiert. Sie erhob sich von der Liege und sagte: “Danke!”

Ich antwortete ihr: “Danken Sie nicht mir. Ich habe es nicht vollbracht.” Sie sagte “Natürlich waren Sie es”, ohne es zu verstehen. “Es wäre nicht passiert, wenn Sie Ihre Hände nicht über mich gehalten hätten.”

Ich dachte “Vielleicht ist dieser Person, die irgendwo da oben auf dieser Wolke sitzt, doch kein Versehen unterlaufen”. Vielleicht wurde ich für dieses Geschenk auserwählt, weil ich keine Umhänge und Turbane trage, weil ich keine Wandteppiche aufhänge und Räuchermischungen verbrenne, weil ich nicht barfuss umhergehe und mit meinen Stäbchen Dreck aus einer Schüssel esse. Vielleicht wurde ich auserwählt, weil ich zugänglich bin und auf eine relativ verständliche Weise spreche. Oder vielleicht passierte es wegen meiner Fähigkeit, komische Erklärungen zu liefern, die ich selber erst anfange zu verstehen.

“Es ist so”, erklärte ich während ich nach einem leicht verständlichen Gleichnis für ein junges Mädchen suchte, dessen Verständnis der spirituellen Synchronizität darin bestand, dass Melrose Place sowohl der Straßenname meiner Praxis in L.A. als auch der Name ihrer Lieblingsfernsehsendung war. “Es ist so, als hättest du soeben einen wunderbaren Schoko-Milchshake getrunken…und du bedankst dich bei dem Strohhalm.”

Sie lachte.

Ich denke, wir haben es beide verstanden.